
Wer kontrolliert Ihre KI-Daten? Digitale Souveränität im Unternehmensalltag
96 Prozent der deutschen Unternehmen beziehen digitale Technologien aus dem Ausland. 89 Prozent davon fühlen sich davon abhängig. Und mit jedem KI-System, das in Betrieb genommen wird, wächst die Frage, die viele Entscheider beschäftigt: Wer hat eigentlich die Kontrolle über unsere Daten?.
Die Lage: Europas digitale Abhängigkeit in Zahlen
Deutschland ist eine der stärksten Industrienationen der Welt. Doch die Software, die die Industrieproduktion steuert, die Cloud, in der die Daten liegen, und die KI-Systeme, die zunehmend operative Entscheidungen treffen, kommen überwiegend von außen. Fast alle Unternehmen in Deutschland, genauer gesagt 96 Prozent, beziehen digitale Technologien oder Services aus dem Ausland. Von diesen Unternehmen fühlen sich 89 Prozent davon abhängig, mehr als die Hälfte sogar stark abhängig.
Das ist keine neue Erkenntnis. Aber sie bekommt durch zwei Entwicklungen eine neue Qualität. Erstens wächst die Abhängigkeit weiter, statt zu sinken. Mehr als 60 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft nehmen in mindestens einem von acht abgefragten Technologiefeldern eine starke Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern wahr. Im Verarbeitenden Gewerbe gilt das für fast die Hälfte aller Unternehmen. Zweitens verändert Künstliche Intelligenz die Risikolage grundlegend. Wer KI einsetzt, gibt nicht nur Technologie ein, sondern übergibt Wissen, Prozesse und Entscheidungslogik an externe Systeme. Die Frage lautet dann nicht mehr nur: Wo liegen meine Daten? Sondern: Wer lernt daraus?
Anteil der Unternehmen, die je Technologiefeld eine starke Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern/Partnern wahrnehmen
Quelle: ZEW-Konjunkturumfrage Informationswirtschaft, September 2025.
Was digitale Souveränität wirklich bedeutet
Der Begriff klingt politisch, ist aber ein operatives Konzept. Die Bundesregierung definiert digitale Souveränität als die Fähigkeit, die digitale Transformation mit Blick auf Hardware, Software, Dienstleistungen und Kompetenzen selbstbestimmt zu gestalten. Für Unternehmen heißt das konkret: selbst entscheiden zu können, in welche Abhängigkeiten man eingeht und welche man vermeidet.
In der Praxis scheitert genau das häufig. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil europäische Alternativen fehlen. Das ist der meistgenannte Grund, den Unternehmen für ihre bestehenden Abhängigkeiten angeben: 82 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft berichten, dass es schlicht keine vergleichbaren europäischen Angebote gibt. Weitere drei Viertel sehen die technologische Überlegenheit der außereuropäischen Anbieter als entscheidenden Faktor. Und immer häufiger spielen auch Lock-in-Effekte eine Rolle: 58 Prozent der Unternehmen nennen hohe technologische Wechselhürden als Abhängigkeitsgrund, doppelt so viele wie noch 2021.
Im Bereich KI hat sich die Lage in kurzer Zeit deutlich verschärft. Bei Software und Anwendungen fühlen sich 47 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft und 31 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe stark abhängig von nicht-europäischen Anbietern. Im Bereich generativer KI, also Systemen wie ChatGPT, liegt der Anteil mit starker Abhängigkeit bei 36 Prozent in der Informationswirtschaft und rund 25 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe. In beiden Branchen ist dieser Wert gegenüber 2024 um jeweils sechs Prozentpunkte gestiegen. Zum Vergleich: 2021 berichteten lediglich 12 Prozent der Unternehmen von starken KI-Abhängigkeiten. Die Ausbreitung von KI-Systemen und die Abhängigkeit von deren Anbietern wachsen in etwa gleich schnell.
Besonders ausgeprägt ist die Abhängigkeit bei großen Unternehmen. In der Informationswirtschaft fühlen sich 74 Prozent der Unternehmen mit 100 oder mehr Beschäftigten in mindestens einem Technologiefeld stark abhängig, gegenüber 66 Prozent bei mittelgroßen und 60 Prozent bei kleinen Unternehmen. Im Verarbeitenden Gewerbe reicht die Spanne von 44 Prozent bei kleinen bis 63 Prozent bei großen Unternehmen.
Anteil der Unternehmen mit starker Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern/Partnern in mindestens einem Technologiefeld
Quelle: ZEW-Konjunkturumfrage Informationswirtschaft, September 2025.
Quelle: Branchenreport Informationswirtschaft, November 2025. https://nachrichten.idw-online.de/2025/11/14/digitale-souveraenitaet-unternehmen-sehen-abhaengigkeit-bei-ki-und-software?groupcolor=5
Der EU AI Act: Was sich für Unternehmen ändert
Im Jahr 2024 hat die EU das weltweit erste umfassende KI-Gesetz verabschiedet. Der EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) ist seit August 2024 in Kraft. Er ist die erste umfassende gesetzliche Regulierung für Künstliche Intelligenz weltweit und gilt für alle Unternehmen, die KI-Systeme in der EU einsetzen oder in Verkehr bringen, unabhängig davon, wo sie ihren Sitz haben.
Das Gesetz stuft KI-Anwendungen nach ihrem Risikopotenzial ein. Hochrisiko-KI-Systeme unterliegen strengen Anforderungen an Transparenz, Dokumentation und Prüfbarkeit. Darüber hinaus adressiert der EU AI Act explizit KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck sowie Modelle mit systemischem Risiko.

Das Gesetz greift nicht an einem einzigen Datum, sondern schrittweise. Seit Februar 2025 müssen Unternehmen sicherstellen, dass die Menschen, die mit KI-Systemen arbeiten, verstehen, was das System tut und wo seine Grenzen liegen. Der Gesetzgeber nennt das KI-Kompetenz, geregelt in Art. 4. Ab August 2025 gelten schärfere Anforderungen für Anbieter sogenannter GPAI-Modelle, also KI-Systeme mit allgemeinem Verwendungszweck, wie sie typischerweise im Kundenservice und im technischen Support eingesetzt werden. Der größte Teil der Verordnung gilt ab August 2026. Hier finden Sie weitere Informationen: Zeitplan für die Umsetzung der KI-Verordnung.
Die EU-Kommission stellt in ihrem „State of the Digital Decade 2025″-Bericht fest, dass Deutschland bei der tatsächlichen KI-Nutzung in Unternehmen deutlich hinter den eigenen Zielen zurückbleibt. Knapp 20 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen KI aktiv, gegenüber einem EU-Zielwert von 75 Prozent bis 2030. Für die meisten deutschen Unternehmen beginnt die Auseinandersetzung mit Compliance und Datenkontrolle im KI-Kontext also gerade erst.
Digital Decade KPI — Deutschland & EU im Vergleich 2025
| Digital Decade KPI (1) | Germany | EU | Digital Decade target by 2030 | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| DESI 2024 (year 2023) | DESI 2025 (year 2024) | Annual progress | National trajectory 2024 (3) |
DESI 2025 | Annual progress |
DE | EU | |
| Fixed Very High-Capacity Network (VHCN) coverage VHCN CoverageAnteil der Haushalte mit Anschluss an ein sehr hochleistungsfähiges Festnetz (z.B. FTTP oder HFC mit DOCSIS 3.1) | 74.7% | 77.4% | 3.5% | - | 82.5% | 4.9% | 100.0% | 100% |
| Fibre to the Premises (FTTP) coverage FTTP CoverageAnteil der Haushalte mit direktem Glasfaseranschluss. Deutschland liegt deutlich unter dem EU-Schnitt von 69.2 %. | 29.8% | 36.8% | 23.4% | - | 69.2% | 8.4% | 100.0% | - |
| Overall 5G coverage 5G-VersorgungAnteil der bevölkerten Gebiete mit 5G-Versorgung. Deutschland nah am Ziel (99.1 % von 100 %). | 98.1% | 99.1% | 0.9% | - | 94.3% | 5.9% | 100.0% | 100% |
| Edge Nodes (estimate) Edge NodesGeschätzte Anzahl kommerzieller Edge-Computing-Knoten. EU-Gesamtziel: 10.000 Knoten bis 2030. | 358 | 652 | 82.1% | - | 2257 | 90.5% | - | 10000 |
| SMEs with at least a basic level of digital intensity (2) KMU-DigitalintensitätKMU mit mindestens grundlegendem digitalem Intensitätsgrad (DII v4). | - | 79.9% | 1.6% | - | 72.9% | 2.8% | 91.0% | 90% |
| Cloud Cloud-NutzungAnteil der Unternehmen, die Cloud-Dienste nutzen. EU-Ziel: 75 % bis 2030. | 38.5% | - | - | - | - | - | - | 75% |
| Artificial Intelligence KI-EinsatzStärkster Anstieg aller KPIs (+71 % DE, +67.2 % EU). EU-Ziel: 75 % bis 2030. | 11.6% | 19.8% | 71.0% | - | 13.5% | 67.2% | - | 75% |
| Data analytics DatenanalyseAnteil der Unternehmen, die Big-Data-Analysen durchführen. | 37.1% | - | - | - | - | - | - | 75% |
| AI or Cloud or Data analytics AI oder Cloud oder Data AnalyticsAnteil der Unternehmen, die mindestens eine dieser drei Technologien nutzen. | 58.0% | - | - | - | - | - | - | 75% |
| Unicorns Unicorn-UnternehmenAnzahl der Unternehmen mit einer Bewertung über 1 Mrd. USD. EU-Ziel: 500 bis 2030. | 67 | 69 | 3.0% | - | 286 | 4.4% | - | 500 |
| At least basic digital skills Grundlegende DigitalkompetenzenAnteil der Bevölkerung mit mindestens grundlegenden digitalen Kompetenzen. DE-Ziel: 80 %. | 52.2% | - | - | - | - | - | 80.0% | 80% |
| ICT specialists IKT-FachkräfteAnteil der IKT-Spezialisten an der Gesamtbeschäftigung. DE und EU noch unter dem Ziel ~10 %. | 4.9% | 5.3% | 8.2% | 4.9% | 5.0% | 4.2% | 5.3% | ~10% |
| eID scheme notification eID-NotifizierungNotifizierung des nationalen eID-Systems gemäß eIDAS. Deutschland hat den Status erfüllt. | - | Yes | - | - | - | - | - | - |
| Digital public services for citizens Digitale Dienste für BürgerinnenDESI-Teilindex (0–100). Deutschland (78.9) liegt unter dem EU-Schnitt (82.3). | 75.8 | 78.9 | 4.1% | 75.8 | 82.3 | 3.6% | 100.0 | 100 |
| Digital public services for businesses Digitale Dienste für UnternehmenDESI-Teilindex (0–100). Einziger negativer Jahresfortschritt in Deutschland (-1.4 %). | 78.6 | 77.5 | -1.4% | 78.6 | 86.2 | 0.9% | 100.0 | 100 |
| Access to e-Health records Elektronische GesundheitsdatenAnteil der Bevölkerung mit Zugang zu eHealth-Daten. Deutschland hat das Ziel (100.0) bereits erreicht. | 87.0 | 87.0 | 0.0% | 100.0 | 82.7 | 4.5% | 100.0 | 100 |
Das eigentliche Problem: Bewusstsein ohne Konsequenz
78 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft halten digitale Souveränität für hoch oder sehr hoch bedeutsam für den langfristigen Erfolg der deutschen Wirtschaft. Nur 17 Prozent der betroffenen Unternehmen planen in den nächsten drei Jahren konkrete Maßnahmen zur Reduzierung ihrer Abhängigkeiten.
Diese Lücke zwischen Einschätzung und Handeln ist das zentrale Problem. Es fehlt nicht an Verständnis für die Lage, sondern an konkreten Entscheidungsgrundlagen. Wer KI-Systeme beschafft, stellt meist funktionale Fragen: Was kann das System? Wie lange dauert die Implementierung? Was kostet es? Fragen zur Datenkontrolle, zur Modellarchitektur und zur Compliance-Fähigkeit kommen oft zu spät, wenn vertragliche Bindungen bereits bestehen.
Wer das ändern will, sollte drei Fragen zum festen Bestandteil jeder KI-Evaluation machen: Wo werden die Daten meines Unternehmens verarbeitet und gespeichert? Fließen meine Daten in das Training von Modellen ein? Kann ich die Entscheidungen des Systems im Bedarfsfall nachvollziehen und dokumentieren? Die Antworten auf diese Fragen bestimmen, ob ein Unternehmen tatsächlich die Kontrolle behält, oder nur glaubt, sie zu haben.
Gründe für bestehende Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern/Partnern
(Anteil an Unternehmen mit bestehenden Abhängigkeiten in Prozent)
Quelle: ZEW-Konjunkturumfrage Informationswirtschaft, 2. Quartal 2024.
Digitale Souveränität bei octonomy: So ist die Plattform gebaut
Dieser Anspruch beginnt bei der Infrastruktur. octonomy wurde in Deutschland entwickelt und wird in Deutschland gehostet. Alle KI-Modelle laufen auf AWS Frankfurt, innerhalb der EU und unter europäischem Recht. Kundendaten verlassen diesen Rechtsraum zu keinem Zeitpunkt. Jeder Kunde bekommt eine eigene, vollständig isolierte Infrastrukturinstanz mit einem kundenspezifischen Verschlüsselungsschlüssel auf AES-256-Basis. Was verschiedene Mandanten einbringen, kommt nie in Berührung. Alle Daten in Transit laufen über TLS/SSL-verschlüsselte Verbindungen. Nach Abschluss einer Konversation oder eines Prozessschritts werden temporäre Daten vollständig verworfen.
Besonders wichtig ist, was octonomy explizit nicht tut. Die Plattform trainiert ihre Modelle zu keinem Zeitpunkt auf Kundendaten und gibt diese auch für keine anderen Zwecke weiter. Firmenwissen, technische Dokumentationen und Prozessdaten bleiben vollständig im Kontext des jeweiligen Unternehmens.
Auch auf Zugriffsebene folgt die Plattform diesem Prinzip konsequent. Drei Rollen, Administration, Analytics-Zugriff und End-User, lassen sich flexibel kombinieren. Die Zugriffsrechte eines Nutzers werden per pass-through direkt an den KI-Agenten weitergegeben: Der Agent sieht ausschließlich das, wofür der jeweilige Nutzer berechtigt ist. Die KI bewegt sich damit innerhalb der Berechtigungsstruktur des Unternehmens, nicht daran vorbei.
Alle KI-Entscheidungen sind vollständig nachvollziehbar und protokollierbar. Das erfüllt direkt die Transparenz- und Dokumentationsanforderungen des EU AI Act, ohne dass Unternehmen dafür zusätzliche Prozesse aufbauen müssen. Die Plattform ist nach ISO 27001, ISO 27017 und ISO 9001 zertifiziert, SOC2-konform, DSGVO-konform und EU AI Act-konform. Der Zugang ist über Single Sign-On und Multi-Faktor-Authentifizierung abgesichert.
Veröffentlicht am 17. Juni 2026 von

Valeriia Levchuk
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